Razzia gegen mutmaßliche Betreiber illegaler Online-Glücksspiel-Plattformen in Hessen und Nordrhein-Westfalen
Klara Richter · Sep 12, 2026

Razzia gegen mutmaßliche Betreiber illegaler Online-Glücksspiel-Plattformen in Hessen und Nordrhein-Westfalen

Umfang der Ermittlungsaktion
Deutsche Behörden haben am 11. September 2026 in einer gemeinsamen Aktion elf Objekte in der Region Frankfurt/Rhein-Main sowie im Kölner Raum durchsucht und dabei mehr als hundert Beamte eingesetzt, wobei die Staatsanwaltschaft Frankfurt, Steuerfahnder und Polizeikräfte koordiniert vorgingen und fünf Verdächtige ins Visier nahmen, die seit mindestens Juli 2021 unzulässige Online-Glücksspielangebote betrieben haben sollen.
Die Einsatzkräfte sicherten Vermögenswerte im Wert von rund 82 Millionen Euro, nahmen einen der Beschuldigten fest und ermittelten wegen Steuerhinterziehung in Höhe von etwa 77,6 Millionen Euro für das Jahr 2024, während die Plattformen bis Ende 2023 Wetteinsätze von mehr als 5,86 Milliarden Euro verzeichneten.
Hintergründe der Vorwürfe
Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den Betrieb von Online-Glücksspielangeboten ohne die erforderliche Lizenz nach dem Glücksspielstaatsvertrag, wobei die Behörden den Zeitraum ab Juli 2021 untersuchen und feststellten, dass die Plattformen über mehrere Jahre hinweg hohe Umsätze generierten, ohne die gesetzlichen Vorgaben zur Anbieterzulassung einzuhalten.
Steuerermittler prüfen parallel die korrekte Abführung von Steuern auf die erzielten Einnahmen, und die vorläufigen Berechnungen ergeben eine mutmaßliche Hinterziehung von rund 77,6 Millionen Euro allein für 2024, während die Gesamtsumme der Einsätze die Marke von 5,86 Milliarden Euro überschritt.

Reaktionen aus der Branche
Die Verbände DSWV und DOCV forderten im Zuge der laufenden Überprüfung des Glücksspielstaatsvertrags bis Jahresende eine Neubewertung der Marktanteilschätzungen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder und plädierten zugleich für ein bundesweit einheitliches Lizenzmodell für Online-Casino-Spiele, nachdem jüngste Anpassungen bei den Einsatzlimits für Online-Slots bereits in Kraft getreten sind.
Branchenvertreter verweisen in diesem Zusammenhang auf den GGL 2025 activity report, der illegale Marktanteile beziffert, und betonen, dass die aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen einer Überarbeitung bedürfen, um den Schwarzmarkt weiter einzudämmen.
Auswirkungen auf den deutschen Glücksspielmarkt
Die koordinierten Durchsuchungen zeigen, dass die Strafverfolgungsbehörden auch 2026 weiterhin gegen nicht lizenzierte Anbieter vorgehen, während die Verbände DSWV und DOCV eine bundesweite Lizenzierung für Casino-Spiele als notwendigen Schritt im Rahmen der anstehenden Vertragsreform ansehen und dabei auf die jüngsten Änderungen bei den Slot-Einsatzgrenzen Bezug nehmen.
Die beschlagnahmten Vermögenswerte in Höhe von rund 82 Millionen Euro sowie die Festnahme eines Verdächtigen verdeutlichen das Ausmaß der Ermittlungen, die sich auf Plattformen erstrecken, die seit Juli 2021 Wetteinsätze von über 5,86 Milliarden Euro abgewickelt haben sollen.
Abschließende Einordnung
Die Aktion der Behörden in Frankfurt und Köln reiht sich in eine Reihe von Maßnahmen ein, mit denen die Einhaltung des Glücksspielstaatsvertrags durchgesetzt werden soll, und die beteiligten Verbände nutzen die Gelegenheit, um im laufenden Revisionsprozess bis Jahresende auf eine Überarbeitung der GGL-Marktprognosen und ein einheitliches Lizenzsystem für Online-Casino-Angebote hinzuwirken.